Seinen Stil zu verfeinern ist eine Sache, eine andere ist, die eigenen sprachlichen Schwächen zu erkennen und zu verbessern. Manche Verfasser neigen zu schwachen Verben und Nominalisierungen, andere lieben Redundanzen und übersehen Wiederholungen. Versuchen Sie also, herauszufinden, wo Ihre typischen Schwächen liegen, und achten Sie beim Schreiben und bei der Überarbeitung besonders auf sie. Im Übrigen bestätigt sich immer wieder die Erkenntnis, dass das Überarbeiten und Korrigieren ganz entscheidend zum Gelingen eines Textes beiträgt.

Wie sollten Sie dabei vorgehen, und welche Aspekte sind besonders zu beachten? – Entscheidend ist, zwischen dem ersten Entwurf und der Überarbeitung eine zeitliche Distanz zu legen. Man braucht Abstand, um Stärken und Schwächen besser zu erkennen, um den Aufbau und die Zielrichtung beurteilen zu können und gegebenenfalls korrigierende Eingriffe vornehmen zu können. Lesen Sie den Text dann am besten laut und versuchen Sie sich dabei selbst zuzuhören und ihn auf sich wirken zu lassen. Es gibt keinen besseren Test, es sei denn, man gibt den Text ins Lektorat und lässt damit eine zweite Meinung zu, die zudem unvoreingenommen ist. Wortwiederholungen, Rhythmusbrüche und überlange Konstruktionen fallen sofort ins Ohr. Gestelzte Formulierungen, langatmige Beschreibungen und langweiliges Vokabular ebenso. Klopfen Sie Ihren text systematisch auf Schwachpunkte ab. Seien Sie kritisch, übertreiben Sie aber nicht.

Sind Sie am Ende immer noch unsicher, ob der Text zum einen formal richtig und zum anderen auch inhaltlich vollkommen ist, dann sollten Sie ihn von einem Profi gegenlesen lassen. Oder zumindest von jemand, der genügend Erfahrung mit Texten hat und fit ist in Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und Stil. Manchmal genügen schon kleine, aber feine Veränderungen und Korrekturen, die einen scheinbar misslungenen Part wesentlich verbessern können.
Die Sprachgestalt hängt immer von der Wirkungsabsicht ab. Entscheidend ist, wie es Ihnen und Ihrem Text gelingt, das, was Sie sagen möchten, den Lesern zu vermitteln: ohne Informations- und Reibungsverluste, ohne Verrenkungen und falsche Darstellungen.